Sonntag, 20. Juli 2008

Zwischenhalt

Die letzten zwei Wochen gestalteten sich so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hatte. Die Ferien in Salalah (Süd-Oman) waren herrlich, entspannend und total interessant. Zudem schauten wir noch beim Haus in Muskat vorbei, in dem wir Ende Jahr fünf Wochen wohnen werden.

Die vergangene Woche benützte ich noch, um (neben all den medizinischen Vorbereitungen) noch die notwendigsten Büroarbeiten zu erledigen. Seit zwei Tagen habe ich mein Essen wieder eingestellt und ernähre mich hauptsächlich von Suppen. Auch hatte ich genügend Zeit, mich mit meiner Situation auseinander zu setzen. Angst verspüre ich keine, ich kenne die Prozedur. Unsicherheit ist es auch nicht, weil ich viel über meine Krankheit weiss. Enttäuschung ist es, was mir zu schaffen macht. Viele Pläne sind zunichte gemacht und auch diesen Sommer/Herbst werde ich wieder mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen haben.

Also: packen wir es!
Herzlich
Peter

Montag, 14. Juli 2008

Entspannung

Die Ferientage haben gut getan. Ich fühle mich recht wohl und bereite mich sorgfältig auf die Operation vor. Denke ich zurück, dann spüre ich eine deutliche Verminderung der Nervosität im Vergleich zum Vorjahr, obwohl sich die Geschichte wiederholt. Ich kenne die Prozedur und sehe es relativ gelassen. Weniger gelassen warte ich auf die Histologie. Es interessiert mich brennend, um was für eine Entwicklung es sich handelt. Das wiederum wird in therapeutischer Hinsicht den Spätsommer/Herbst beeinflussen.

Bis bald
Peter

Donnerstag, 3. Juli 2008

Operation steht fest

Der Termin steht: Dienstag, 22. Juli 2008. Somit jährt sich die Prozedur, nur dass wir nun definitiv vorher noch in die Ferien fliegen. Ich freue mich auf diese Auszeit und verspreche mir ein gutes Stück Distanz im vollen Bewusstsein, dass der Tumor mitfliegt.

Ich wünsche Euch allen einen schönen, warmen, erholsamen und stärkenden Sommer (nicht zuletzt auch mir!).

Herzlich
Peter

Samstag, 28. Juni 2008

Neue Situation

Die zweite Nachkontrolle ergab ein anderes Bild: Der CEA-Wert (Tumormarker) stieg auf 50,3 (normal ist 1,6), was zu einer intensiveren Abklärung führte. Diese erfolgte mittels PET/CT und brachte eine sichtbare Veränderung im Bereich der Anastomose. Sowohl die Sigmoidoskopie wie auch die Coloskopie waren unauffällig. Man geht heute von einem Lokalrezidiv von rund 12 mm an der Darmaussenwand aus. Nächste Woche entscheiden wir über die anzuwendende Therapie (Operation mit Bestrahlung und/oder Chemotherapie).

Heftige emotionale Reaktionen waren die Folge davon. Ich habe mir den Sommer 2008 anders vorgestellt. Heute nahm ich die Axt und spaltete Tannenholz. Das tat gut. Das Harz floss und die Schweissperlen spritzten.

In meiner Patientenverfügung habe ich festgehalten, dass ich solange kurativ behandelt werden will, wie Chance auf Erholung aus diesem Zustand besteht. Diesen Weg werde ich gehen, immer im Kontext zu dem, was Lebensqualität und Leben trotz Krankheit ausmacht.

Liebe Grüsse
Peter

Sonntag, 24. Februar 2008

Frühling

Wunderschöne, wolkenlose Tage, gewärmt von der Sonne, wecken die Vorfreude auf den Frühling. Noch singen die Amseln nicht, doch sie werden es bald tun.

Lange ist's her, seit dem letzten Blogeintrag. Das Hand-Fuss-Syndrom hat sich gelegt, leichte Nachwirkungen sind zwar noch spürbar. Der erste Check von letztem Montag und die Meldung über die Laborwerte lassen unzweideutig erkennen, dass die Krankheit oder das, was mich krank gemacht hat, hinter mir liegt. Mit grosser Freude nehme ich diese positive Entwicklung zur Kenntnis und sehe auch physisch entspannt dem Frühling entgegen. Nächste Abklärungen sind erst wieder im Sommer fällig. Ich freue mich!

Auf einen warmen, sonnigen, den Boden unter den Füssen wärmenden Frühling!

Herzlich
Peter

Donnerstag, 15. November 2007

Entscheidung

Die letzten sieben Tage waren gezeichnet durch eine intensive Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Berichten und den Auswirkungen des Hand-Fuss-Syndroms. Dieses hat unsägliche Ausmasse angenommen. Nach allen Abklärungen und Gesprächen halte ich fest, dass
- es keine Studie gibt die belegt, dass vier Zyklen Chemotherapie eine schlechtere Ausgangslage ausweisen wie sechs Zyklen;
- es unwahrscheinlich ist, dass eine Krankheit als solche durch die Psyche positiv oder negativ beeinflusst werden kann;
- die Psyche die Art des Umgangs mit der Krankheit beeinflusst;
- meine kurative Ausgangslage als hervorragend zu bezeichnen ist und ich medizinisch gesehen eigentlich als gesund gelte.
Die Nebenwirkungen machen krank. Sie beeinträchtigen nicht meine Lebensqualität sondern behindern mich aktiv am Leben teilzuhaben. Ich vegetiere und nimm mich als Mitglied eines geriatrischen Zentrums wahr. Ich kann mich selber weder ausziehen noch ankleiden, jeder Handgriff schmerzt, die Müdigkeit ist enorm.
Wohl habe ich den letzten Rest an Humor noch nicht verloren. Es fällt aber zunehmend schwer an Heilung zu glauben, wenn Krankheit zelebriert wird. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile habe ich folgende Entscheidung getroffen:

Ich beendige den therapeutischen Prozess (Eloxatin i.v./Xeloda per os) und verzichte auf den fünften und sechsten Zyklus.

Diese Entscheidung führte zu einer Befreiung. Ich fühle mich gut, beseelt durch ein inneres Glücksgefühl. Ich habe die Klinik heute mit erhobenem Haupt verlassen und suche den Weg zurück zu meinem Leben.

Schneebedeckte Fahrbahnen und ein grau verhangener Himmel kündigten den heutigen Tag an. Es war kalt und unfreundlich. Gegen Mittag durchbrachen Sonnenstrahlen die Wolkendecke und färbten den Schnee wohlig ein. Ich bin und will sein – ich freue mich an den Schönheiten dieses Lebens.

Alles Liebe
Peter

Donnerstag, 8. November 2007

Zwischenbilanz

Zugegeben, der jetzige Blogeintrag wird etwas überraschend sein. Ich halte ihn indes für unumgänglich.

Ich habe den vierten Zyklus abgeschlossen und stehe wohl an einem Punkt, an dem ich nach sorgfältiger Reflexion eine Entscheidung zu treffen habe. Den Prozess dieser Entscheidung möchte ich auflisten:
Ich freute mich auf die Chemotherapie, die mir eine Erhöhung der rückfallfreien Zeit während der ersten fünf Jahre nach Beginn der Therapie von 64% auf 77% ermöglicht. Das ist nicht unwesentlich. In der Entwicklung der Therapie zeigte sich schon bald, dass die Nebenwirkungen Einfluss auf die Lebensqualität haben werden. Zurzeit ist es so, dass die Hände und Füsse brennen, mir keinen auch nur einigermassen vernünftigen Alltagsablauf ohne massive Schmerzen ermöglichen. Reibe ich die Hände, dann erhalte ich Linderung für genau 10 Sekunden, um danach für Minuten mit noch brennenderen Händen bestraft zu werden. Die Therapie, der gegenüber ich mich sehr positiv eingestellt hatte, verändert plötzlich ihr Gesicht. Sie wird zu einem Gegenspieler. Wir reden immer von Einschränkung der Lebensqualität. Was ich zurzeit wahrnehme ist eine Verhinderung am Leben. Diese gravierende Veränderung hat psychische Auswirkungen. Ich fühle mich wie ein Ur-Veteran (so über 90), bei noch keinen 60! Natürlich weiss ich (intellektuell), dass dieser Zustand vorübergehender Natur ist. Nur als Patient erlebe ich ihn jetzt, stündlich oder pointierter formuliert: jede Minute.
Wenn wir davon ausgehen, dass die Psyche die Krankheitsentwicklung beeinflusst, dann stehe ich vor der Entscheidung, wie ich weiter tun will. Die Abwehr gegen Xeloda (verantwortlich für dieses Hand-Fuss-Syndrom) ist für mich stärker geworden wie der vermeintliche Nutzen des Medikamentes. So stehen mir folgende Möglichkeiten zur Entscheidung offen:
- Reduktion von Xeloda;
- Therapie nur mit Eloxatin iv.;
- Umstieg auf FOLFOX4;
- Abbruch der Therapie.
Mit entscheidend ist auch die Ausgangslage: linksseitiges Kolon bis 35 cm ist entfernt, T3 Stadium (T4 = max.); Histologischer Grad 1-2 (3 = max.), Metastase in 1 von 18 tumornahen Lymphknoten, vier tumorfreie tumorferne Lymphknoten. Die Resektionsränder sind tumor-, divertikel- und entzündungsfrei, keine Fernmetastase (Becken, Leber, Milz, Lunge usw.).

So: ich weiss, was ich in den kommenden Tagen zu tun habe. Ich darf auf eine sehr herzliche, liebevolle, ehrliche und fachlich hochkompetente Unterstützung aller Menschen in meinem Umfeld zählen und werde meine Entscheidung in aller Ruhe im Verlaufe der nächsten zehn Tage fällen.

Der Herbstwind wirbelt die farbigen Blätter durch unseren neu erstellen Garten. Die Vögel erfreuen sich einer kernigen Zwischenmahlzeit in ihrem Vogelhaus, die Wolken spielen mit der Sonne und dem Mond und lassen sich winterlich einfärben. Ich liebe diese Stimmungsbilder und freue mich auf den Frühling. Noch aber sitze ich am wärmenden Kaminfeuer.

Alles Liebe
Peter