Dienstag, 1. September 2009

Unglaublich

Die heutige Besprechung des CT hat ergeben, dass der Tumor nicht weiter gewachsen ist und die Implantationsmetastase ist verkalkt. Letzteres bedeutet, dass sie dadurch inaktiv wird. Die Therapie greift also. Mit grosser Freude nehme ich davon Kenntnis. Wir entschieden, die Chemotherapie bis Ende Oktober weiterzuführen. Danach erfolgt eine neue Standortbestimmung.

Die Anspannung ist der Freude gewichen. Das besagte Zeitfenster erfährt einen neuen Rahmen. Die Aussicht erweitert sich. Es ist ein unglaubliches Gefühl.

Herzlich Peter

Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Peter, Maria,

so viel Freude lässt sich selbst für mich nicht in Worte fassen, ich bin sprachlos vor Freude und stoße virtuell mit einem Glas Sekt mit euch auf die schönen Zukunftsaussichten an!

Cheers! Salud! Vashe zdorovie!

Auf dich! Auf Euch!

Barbara

doris einoedter hat gesagt…

Die aller herzlichsten Glückwünsche zu so vielen und guten Nachrichten an Dich und Deine gesamte Familie. Im Geiste sehe ich Euch in einer Runde sitzen und feiern. Ein hoch auf das neue und das erweiterte Leben!
Prost!

doris

Barbara hat gesagt…

Lieber Peter,

wieder nüchtern nach virtuellem Anstoßen auf Genesung versuche ich seit Tagen zu verbalisieren . . .


Ein einziger Satz drängt sich sogleich in meinen Kopf und macht sichs dort gemütlich,
drum muss ich ihn teilen:

Zwar ein anderes Thema -
-da aus ewiger Unzufriedenheit und dem Versuch nach Grenzüberschreitung -
selbst gewählter Wunsch des Todes und letztlich doch auch selbst entschieden nicht zu gehen,

ABER nichts könnte treffender ausdrücken worum meine Gedanken kreisen, nämlich der Ausgang dieser ersten Szene Goethes Faust -

Nacht

Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton
Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
Verkündiget ihr dumpfen Glocken schon
Des Osterfestes erste Feierstunde?
Ihr Chöre, singt ihr schon den tröstlichen Gesang,
Der einst, um Grabes Nacht von Engelslippen klang,
Gewißheit einem neuen Bunde? (…)

Was sucht ihr, mächtig und gelind,
Ihr Himmeltöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind:
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuß
auf mich herab in ernster Sabbatstille;
da klang
so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
und ein Gebet war brünstiger Genuß,
ein unbegreiflich holdes Sehnen
trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehen,
und unter tausend heißen Tränen
fühlt ich mir eine Welt ersehnt.
Dies Lieb verkündete der Jugend muntrer Spiele,
der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle
vom letzten ernsten Schritt zurück

O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!


J.W.Goethe, Faust V.742ff.

Peter,
Selbstbestimmt gehen wir durchs Leben.

Fremdbestimmt sind wir ( je nach spirituellem Zugang) durch Krankheit und letztlich durch den Tod.
Jedoch zeigt sich selbst in diesen - scheinbar unausweichlichen Auslieferungen des Lebens an eine höhere Macht- dass
ER
Sense und Umhang wieder einpacken kann,
wenn die Zeit noch nicht gekommen ist.

Nicht dann, wenn
ER
darum bittet,
gehen wir.

Wir gehen,
wenn unsere Zeit gekommen ist.

Deine Zeit war und ist nicht abgelaufen,

du stehst wieder mit beiden Beinen fest am Boden,
den Kopf aus dem Wolken hervorgegraben .

Ich freue mich zu lesen,
dass du wieder im Hier und Jetzt angekommen bist.

In deiner Zeit.

In der Zeit des Lebens.

In der Zeit des Miteinander,
die Leben in all seinen Facetten bietet
und das Sterben wagt, beiseite zu schieben.

Wobei (Mensch)sein,
Leben in allen Bereichen
ab dem Zeitpunkt der Entstehung
in Wahrheit bereits ein Sterben bedeutet.

Wie verträgt sich dieses Bewusstsein,
welches ausschließlich uns Menschen zugedacht ist und die Tiefsinnigkeit des Sterbens als Thema mit sich bringt,
mit Selbstbestimmung,

wie erleben wir Menschen hierbei den Tod als Fremdbestimmung als allgegenwärtige Bedrohung?


Wie gelingt es uns mit unserem begrenzten Verstand,
dies überhaupt zu erfassen ?

Philosophische, offene, mit Sicherheit niemals global,sondern ausschließlich individuell zu beantwortende Denkansätze
zum Thema Sterben,
das letztlich immer noch ein Leben ist,
solange nicht ausgelebt.

„Zu spät ist es erst dann, wenn es vorbei ist“

sagte mir einmal mein weiser Ehemann.

Zu spät zu leben .


Um hinter meinen Versuch - wirre Gedankenkonstrukte zu schlichten- einen Punkt zu setzen,
ende ich schlicht mit :

Willkommen im Hier und Jetzt, willkommen zurück im Leben!

herzlichste Grüße

Barbara